Autor: Paula Werner (Seite 1 von 3)

Popcorn Ferienzirkus

mit Christian und Martin Tomaschewski

Im Stadtteil Bochum-Langendreer taucht in den Ferien immer wieder der Popcorn Zirkus auf. In der Manege treten allerdings keine langjährig erprobten Artisten auf, sondern Kinder und Jugendliche, die in nur einer Woche eine richtige Zirkusshow auf die Beine stellen. In diesem unserer Projekte werden die Teilnehmer*innen durch die Tomaschewski Zwillinge, zwei erprobte Zirkus-Experten, angeleitet.

Kommt man in den Probezeiten in das Gemeindehaus der St. Marien Kirche, taucht man schon am Eingang durch ein Zirkuszelt in eine ganz andere Welt ein. Der Saal ist gefüllt mit Einrädern, Diabolos, Pois, Matten und allerlei anderem Material, was für die professionelle Zirkusarbeit benötigt wird. Aber das Wichtigste sind natürlich die Kinder, von denen jede Menge durch die Gegend wuseln. Und allesamt sind fleißig am Trainieren.

Manche versuchen sich vom Jonglieren mit Tüchern hin zu Bällen oder Keulen hochzuarbeiten, während andere Diabolos in die Lüfte schmeißen. Körperkoordination ist hier an jeder Stelle gefragt und wenn eine Sache gerade nicht so gut klappt, dann gibt es genug Möglichkeiten einfach etwas anderes auszuprobieren. Wer hoch hinaus will, kann sich Dinofüße unter die Sohlen schnallen, auf Stelzen durch den Raum balancieren oder zwischen zwei Leitern in die Höhe steigen, während diese von einem selbst in der Waage gehalten werden. Für die ganz Mutigen steht auch ein Trapez im Raum, an dem verschiedenste Figuren erprobt werden können.

Besonders viel Balance ist auf dem Hochseil, was nicht 10 Meter über dem Boden schwebt, sondern nur etwa einen Meter, und auf den Laufkugeln gefragt. Wer es nicht kennt, den mag das Wort Laufkugel kurz stutzig machen, aber dahinter steckt genau das, was es sagt. Die Kinder laufen auf einer großen Kugel durch den Raum und wer schon sicher oben bleiben kann, der dreht dabei sogar noch Teller oder jongliert etwas. Daneben werden ganz klassisch Menschen-Pyramiden gebaut. Hier entsteht eine ganze Choreografie mit vielen Kindern, die auf und aneinander stehen und beeindruckende Standbilder kreieren. Dabei müssen sich die Kinder aufeinander verlassen können und genau wissen, wo sie als Nächstes stehen.

Bei all diesen aufregenden akrobatischen Leistungen, lernen die Kinder natürlich auch, wie sie sich gegenseitig sichern können. So führen nicht nur gemeinsame Choreografien zu einem Miteinander. Ganz besonders schön sind die Momente, in denen jemand eine Kunst erfolgreich gelernt hat und dann anderen Kindern dabei hilft, denn bei so vielen begeisterten Teilnehmer*innen können die Zwillinge nicht immer bei jedem an der Seite stehen.

Was neben dem bunten Treiben auch durchaus das Interesse des ein oder anderen wecken könnte, ist das Zirkuszelt in einer der hinteren Ecken des Raumes. Denn was sich darin verbirgt, bleibt erstmal ein Rätsel. Schaut man dann um die Ecke, sieht man eine Form der Künste, die man sicherlich nicht als erstes erwartet hätte. Hier üben die Glasartisten. Kinder, die mit viel Konzentration über Glasscherben laufen, darauf einen Handstand präsentieren oder sogar mit einem Sprung auf dem Scherbenfeld laden. Kurz vor Antritt dieser Herausforderung stellen sich die jungen Artisten in Fakir-Position auf. Fakire sind ursprünglich indische Gaukler, deren Körper gegen Schmerzen unempfindlich zu sein scheint. Wem das noch nicht spannend genug ist, der kann sich am Nagelbrett versuchen und draufstehen oder sogar liegen. Wenn ein Kind sich dann erfolgreich getraut hat und erzählt, dass das Ganze gar nicht weh getan hat, kann man dabei jede Menge Stolz in den Augen sehen. Sowas hat ja nicht jeder schon gemacht und ganz wichtig, sowas sollte man nur im Beisein von Profis versuchen. Magisch wird das ganze Spektakel dann, wenn man den Zauberern bei ihrer Vorführung zuschaut. Mit Tricks und Täuschungen verdrehen sie einem den Kopf und lassen fragende Gesichter zurück. Hier ist wirklich für jeden etwas dabei und wer nicht genug kriegen kann, der kommt beim nächsten Projekt wieder.

Nachdem eine Woche lang jeden Tag geprobt wurde, gibt es dann am Freitag den großen Auftritt. Hier präsentieren alle ihre neu errungenen oder verbesserten Fähigkeiten vor dem Publikum, dass größtenteils aus Eltern und Bekannten besteht.

festival junges theater

in Peckelsheim

Im Schulzentrum Peckelsheim fand Anfang November das „festival junges theater“ statt. Organisiert wird das dreitägige Festival von unserem Vorstandsmitglied Gerhard Antoni, was ihm ohne viele helfende Hände natürlich nicht möglich wäre. Die Kinder und Jugendlichen aus der Region konnten sich in insgesamt 13 Theater-Werkstätten anmelden. Wer an einem der Workshops teilgenommen hat, wurde von Mittwoch bis Freitag vom Schulunterricht freigestellt. Doch Neues gelernt haben sie in der Zeit um so mehr.

Bei der Eröffnungsveranstaltung, bei der unter anderem der Bürgermeister eine Begrüßungsrede hielt, wurden die Teilnehmerinnen mit den Künstler*innen der einzelnen Workshops zusammen geführt. Danach ging es auch schon in die erste Workshopeinheit, wo sich alle erstmal kennengelernt haben und eine Vorstellung dazu bekamen, was sie in der kommenden Zeit erwarten wird. Im Laufe der drei Tage gab es 6 Einheiten zum Üben und eine zur Vorbereitung auf die Präsentation der Ergebnisse am Freitag. Diese wurden jeweils von Frühstücks- und Mittagspause getrennt, damit die Freude an den Workshops nicht durch Hunger gelindert wird. Das Frühstück bestand aus Obst und belegten Brötchen, die liebevoll von Freiwilligen, vor allem auch Schüler*innen, zubereitet wurden. Zum Mittagessen ging es dann in den jeweiligen Gruppen zur Mensa der Schule. So wie die Teilnahme am Projekt ist auch das Essen für alle kostenlos gewesen. Nach dem Essen wurde die Mittagspause dann auf dem Schulgelände verbracht, wo ein reger Austausch über das Erlebte stattfand.

Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Kurse zeigt auf, welche Vielfältigkeit an Rollen in der Theaterbranche vorliegt. Ein gutes Theaterstück wird nicht nur durch die Performance der Schauspieler*innen beeinflusst, sondern hängt ebenfalls von Bühnenbild, Musik, Kostümen und und und ab. Auch diese verschiedenen Formen der Kunst, die sich auf der Bühne wiederfinden, konnten hier erlernt werden. In dem Kurs Improvisationstheater ging es besonders darum, Spontanität zu fördern. Hier gilt das Prinzip „Aktion gleich Reaktion“, die Kinder müssen ohne Vorbereitung aufeinander reagieren und versuchen, dabei in eine zusammenhängende Geschichte einzutauchen. Bei der Präsentation am Ende hat die Gruppe ein Orakel auf der Bühne gespielt und ist auf die Fragen des Publikums eingegangen, eine echte Improvisations-Leistung.

Mit etwas weniger Worten wurde bei den Pantomim*innen gearbeitet. Hier kommt es vor allem auf den Ausdruck des Körpers an. Die Kinder lernen, wie sie Gefühle nur mit ihren Gesichtszügen und Tätigkeiten mit den Bewegungen ihres Körpers darstellen können. Dazu muss man die Muskeln in seinem Körper ganz besonders gut unter Kontrolle haben. Wer also schon immer tolle Grimassen ziehen konnte, startet mit einem Vorteil in die Übungen.

Eine weitere darstellende Kunst haben die Teilnehmer*innen im Tanzkurs kennengelernt. Dabei lag der Fokus auf dem Ballett, eine Tanzart, die von weichen Bewegungen und gleichzeitig viel Körperspannung lebt. Da unter den Tänzerinnen noch keine Profis waren, wurde mit den Grundlagen begonnen und aus diesen eine gemeinsame, durchaus schon anspruchsvolle Choreografie gebaut. Da die etwas älteren Mädchen im Hip-Hop erprobt waren, haben diese eine Einheit genutzt, um den jüngeren auch hier ein paar Moves beizubringen. Das Ganze führte dazu, dass in der finalen Präsentation beide Tanzformen kombiniert wurden und zu einem spektakulären Auftritt führten.

Ebenfalls einen äußerst spannenden Auftritt legte die Gruppe der Bühnenfechter hin. So wurden zwei gut geprobte Kämpfe zwischen jeweils zwei Schüler*innen auf der Bühne ausgetragen. Für zusätzliche Dramaturgie sorgte die Musik aus den „Fluch der Karibik“ Filmen, da hatte man fast das Gefühl live mit beim Dreh zu sein. Damit sich niemand durch die Degen verletzt, wurden die Kinder in den Tagen mit den wichtigsten Regeln und Techniken vertraut gemacht.

Zu einer Fusion kam es bei den Workshops Schreibwerkstatt und Theater. Beim Schreiben ging es darum zu erlernen, wie man Texte, besonders Dialoge, für die Bühne schreibt. Eine ganz eigene Art der literarischen Formen, bei der besonders darauf geachtet werden muss, dass der Text auf der Bühne umsetzbar ist. Gemeinsam hat der Kurs hier ein kurzes Theaterstück geschrieben, welches der Theaterkurs dann auf die Bühne gebracht hat. Davor galt es zu lernen, den Charakter der eigenen Rolle nicht nur über Text und Stimme, sondern mit dem ganzen Körper rüberzubringen. Mit Schauspielübungen wurden erste Schritte geleistet, bis alle bereit waren, sich der Bühne zustellen.

Zum musikalischen Höhepunkt kam es dann bei den Bühnensänger*innen und Songwriter*innen. Die Kinder im Kurs Bühnengesang haben sich auf die Techniken des Singens konzentriert. Gemeinsam wurde das gelernte dann an dem Song „Ich bin bereit“ aus dem Film Viana gezeigt. Einige waren sogar so mutig einen Solopart zu übernehmen. Doch vor allem die Mehrstimmigkeit der Gruppe sorgte für einen besonderen Klang. Etwas zaghafter wurde bei der Präsentation des Songwriting Kurses gesungen. Doch dafür haben die Kinder ihre eigenen Songs auf die Bühne gebracht. Gemeinsam wurde in den Tagen kreativ gearbeitet und jeder hat einen kurzen Song aufs Papier gebracht. Dabei haben die Teilnehmer*innen durchaus etwas von ihren Gefühlen preisgegeben, sodass es besonders spannend war genauer auf den Text zu achten.

Zu einer Explosion an Buntheit kam es in den Workshops Gestalten. Die Bühnengestalter*innen haben in Pappkartons ein Modell ihres eigenen Bühnenbildes gebastelt. Dabei war der Kreativität keine Grenzen gesetzt, sodass in einem Karton eine Weihnachtskulisse im Weltall entstand. Aber auch klassische Szenen, wie der Turm von Rapunzel und eine Bar fanden ihren Platz. Zwei andere Kurse fokussierten sich darauf, die Schauspieler*innen in Szene zusetzten. Dazu haben die Kinder in dem einen Kurs gelernt, sich gegenseitig für die Bühne zu schminken. Was ist wichtig bei Beleuchtung und wodurch kann der Charakter einer Figur besonders unterstrichen werden? Aber auch in die Spezialeffekte Kiste wurde gegriffen, um verschiedene Wunden so realistisch wie möglich aussehen zu lassen. Bei den Kostüm- und Maskenbildner*innen wurde fleißig genäht und gebastelt. Die Kinder konnten frei wählen, was für Kostüme sie schneidern wollen und die Ergebnisse boten ein buntes Feuerwerk. Neben ein paar Glitzerfeen gab es auch einen grell gelb leuchtenden Phönix, der über die Bühne stolzierte. Zwei Mädchen haben eine Jacke genäht, die auch in einem Designershop hängen könnte. Im Workshop Figurentheater ging es darum, Figuren für diese Form des Theaters zu kreieren. Dazu wurden aus Pappmaschee kleine Köpfe geformt, getrocknet und dann entsprechende angemalt. Diese kamen auf einen Stock, an dem die Figur dann später gehalten werden konnte. Um diesen zu verstecken und das Ganze abzurunden, wurde vom Hals abwärts ein Tuch befestigt. Die Gestaltung des Kopfes zeigte dann, um was für Figuren es sich handelte.

Der Workshop Presse und Öffentlichkeitsarbeit hat von all den anderen jeweils einen Teil mitgenommen. Die Teilnehmer*innen sind mit Fotoapparat und Schreibblock durch die Schule gewandert und haben die anderen Kinder interviewt, sich angesehen, was diese lernen und das Ganze dann in einer Zeitung zusammengefasst. So wurden diese erfolgreichen drei Tage, in denen die Kinder Höchstleistungen lieferten, für alle in einer schönen Erinnerung zusammengefasst.

Die Krakelei

mit Antje Hemmer

Auch in diesem Jahr fand unser Projekt „Die Krakelei“ in Bochum unter der Leitung von Antje Hemmer statt. Dabei bietet sie Kindern und Jugendlichen einen Raum zum kreativen Austoben, wo einfach alles möglich ist. Zusammen wurde in einem ehemaligen Cafe direkt auf dem Gelände des Kunstkiez Bärendorf gearbeitet, wobei die Teilnehmer*innen sich netterweise ebenfalls auf dem restlichen Gelände des Kunstkiez aufhalten durften.

Damit die Kinder aus einer Fülle unterschiedlichster Materialien und Werkzeuge schöpfen können, hatte Antje den Raum schon vorm ersten Projekttag mit allem, was zum Werkeln gebraucht wird, ausgestattet. Dazu kam eine großzügige Spende von einer Mutter und der glückliche Zufall, dass die Nachbarn überaus nützlichen Sperrmüll vor ihrer Tür abgelegt hatten. So konnten die Kinder auf Entdeckungstour gehen. Manche waren mit klarem Ziel vor Augen unterwegs und andere haben sich von den Materialien inspirieren lassen. Und falls dann doch etwas in der Sammlung fehlte, wurde die Suche auf das Gelände des Kunstkiezes ausgeweitet.

Nachdem der Fundus inspiziert wurde, haben sich die Kinder dann mit all ihren Ideen im Kopf an die Arbeit gemacht. Dabei wurden einige zu Maler*innen, die mit Wasserfarben, Buntstiften und allem, womit man sonst Kunstwerke aufs Papier bringen kann, ihrer Phantasie freien Lauf ließen. Hier und da etwas oder auch eine Menge Glitzer dazu und schon war das Bild perfekt. Wer sein Bild ins Dreidimensionale holen wollte, begann zum Beispiel damit seinen Vampir mit einer echten Sonnenbrille und Haaren auszustatten. Andere versuchten sich an architektonischen Meisterwerken und kreierten in Boxen ganze Räume mit Bett und Stühlen. Es wurden Dinosaurier und eine Katze modelliert, eine Hasenpuppe erschaffen und Windmühlen konstruiert. Manche der Teilnehmer*innen haben sich sogar als Ingenieur*innen bewiesen. So hat ein Mädchen sowohl zwei Tage an einer Cupcake-Maschine gebaut, als auch ein Aquarium für Fische gebastelt. Klug wie sie ist, wurden die Papierfische natürlich mit Tesafilm wasserfest gemacht, sodass diese in echtem, nassem Wasser schwimmen konnten, ohne gleich ihre Form zu verlieren. Einer der Jungen hat fleißig an seiner Süßigkeiten-Maschine getüftelt bis sie so weit war, dass die anderen Kinder sich mit Spielgeld echte Süßigkeiten aus der Maschine ziehen konnten. Bei diesen Leistungen dürften die voller Stolz gefüllten Gesichter der Kinder niemanden wundern.

Sprache stellt bei künstlerischen Arbeiten dieser Art kein Problem dar, sodass auch die junge Ukrainerin sich direkt Material gesucht hat und loslegte. Bei so vielen Möglichkeiten kommt es dann schnell dazu, dass die Kinder für drei Stunden in konzentrierter Arbeit verschwinden.

Zwischen all der Bastelei sind auch kleine Pause zum Eisessen drin. Wobei das Eis vorher mittel Schatzsuche gefunden werden musste. Gemeinsam so ein Abenteuer zu bestreiten macht natürlich auch Spaß. Weiterhin spannend wurde es dann, als die Kinder, wie beim Improtheater, aus einem Fleck auf dem Boden eine wilde Geschichte mit Geistern und Detektiven entwickelten, die sich über eine Stunde streckte. Bei so vielen talentierten Kindern ist es kaum eine Überraschung, dass auch eine Zaubershow und ein kleines Beat Boxing Konzert auf dem Plan stand. Und wo wir schon bei Musik sind, hier eine Hörprobe in einen Song, der beim gemeinsamen Jammen entstanden ist:

Eine weitere Höchstleistung vollbrachte ein Mädchen mit dem Overheadprojektor. So zauberte sie ein buntes Schattentheater an die Wand, in welchem unteranderem eine gezähnte Schere und ein bunter Vogel auftreten.

Wie im ersten Video schon zu sehen, ist in der Projektzeit eine Fülle an Kunstwerken jeglicher Art entstanden, die nach der Ausstellung dann von den Kindern mit nach Hause genommen werden konnten. Alle Kinder, die einmal bei der Krakelei mit machen konnten, sieht man mit einem Lächeln gehen. Sie kommen jederzeit gerne wieder, denn hier gibt es einen sicheren Raum, indem jeder geschätzt wird und keine Idee zu verrückt ist, um sie umzusetzen.

Falls Sie mehr über die bunte Vielfalt des Kunstkiez Bärendorf wissen wollen, schauen Sie auf der Internetseite vorbei (kunstkiezbaerendorf.de) oder stöbern sie in Medien wie Facebook oder Instagram unter #kunstkiezbaerendorf.

Miteinander Kreativität entdecken

mit Ursula Goldmann

Unser Projekt „Miteinander Kreativität entdecken“ fand im pädagogisch therapeutischen Zentrum in Essen statt. Unter der Leitung von Ursula Goldmann konnten hier Kinder zwischen 5 und 10 Jahren gemeinsam aktiv werden. Ob gestalterisch oder musikalisch, es wurde miteinander gearbeitet und ausprobiert.

Von Efeu umrankt wirkt das pädagogisch therapeutische Zentrum fast wie ein kleines verwunschenes Schloss, welches jedes neugierige Kind einlädt, die Geheimnisse hinter den Mauern zu entdecken. Auch wenn im Inneren kein prunkvoller Ballsaal wartet, hat Ursula den Projektraum in eine kleine Ruheoase verwandelt, die ebenfalls zum Entdecken einlädt. Mit Musik und Vogelgezwitscher wird die Geräuschkulisse eines Waldes widergespiegelt, sodass man beim Blick aus dem Fenster ins Grüne doch fast denken würde, dass man sich gerade im Zauberwald hinter einem Schloss befindet. So bilden die Räumlichkeiten eine willkommen heißende Umgebung, in der auch die etwas schüchternen Kinder die Chance bekommen sich wohlzufühlen.

Einige der Teilnehmer*innen des Projektes müssen in so jungen Jahren schon eine schwere Last mit durchs Leben tragen. So ist es bei ihnen bereits ein Erfolg, wenn sie überhaupt zum Projekt kommen. Um so schöner, dass am Projekttag alle angemeldeten Kinder nach und nach eingetrudelt sind. Dabei gab es direkt ein paar spannende Bilder und Figuren in der Mitte des Raumes zu entdecken. Jeder konnte schonmal seinen Namen auf den Namensschildern suchen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde konnte sich jeder eines der Tiere, ob auf einem Bild oder als Figur, aussuchen und bei vielen war sogar das Lieblingstier dabei. Die Mehrheit war auf jeden Fall begeisterter Katzenfan, ob nun die Hauskatze, weil man selbst eine oder gleich mehrere Zuhause hat, oder dann doch etwas größere, wie Löwen und Tiger. Aber auch Delfine, Enten oder das Chamäleon begeisterten die Kinder. Da tauten sie ersten gleich komplett auf und sorgten für etwas mehr Mut bei den anderen. Mit vielen Pausen und ein paar gesunden Snacks für zwischendurch wurde die Stimmung hochgehalten. Diese war, als es dann ans musizieren ging, besonders groß. In der bunten Mischung aus Instrumenten fanden alle eins, was besonders interessant für sie selbst aussah. Wodurch ein buntes Konzert aus Kastagnetten, Cajon – eine Kistentrommel -, Rasseln und vieles mehr entstand. Ursula hat die Kinder dabei auf der Gitarre begleitet. Gemeinsam wurde dann die letzte Strophe aus dem Lied „Im Land der Blaukarierten“ gesungen:

Im Land der Buntgemischten sind alle buntgemischt
Und wenn ein Gelbgetupfter das bunte Land auffrischt
Dann rufen Buntgemischte: „Wilkommen hier im Land“
„Hier kannst du mit uns leben, wir reichen dir die Hand“
Dann rufen Buntgemischte: „Wilkommen hier im Land“
„Hier kannst du mit uns leben, wir reichen dir die Hand“

Eine kleine Hörprobe gibt es hier:

Wie das Lied vermittelt, sind hier alle willkommen. Es geht ums Miteinander und darum sich gegenseitig zu unterstützen. Für die letzten Geburtstagskinder wurde dann auch noch „Wie schön, dass du geboren bist“ zum Besten gegeben:

Auf so viel Lautstärke folgten dann ganz wenige Geräusche, denn die Frage war, wer wohl am leisesten durch den Raum schleichen kann. Da wurde erstmal ausgetüftelt, ob mit Schuhen, Socken oder Barfuß die beste Variante ist. Und schon bewegte sich die Gruppe mucksmäuschenstill durch die Gegend. Nach kurzer Pause konnten die Kinder dann Ihren künstlerischen Ideen freien Lauf lassen. Ob bei der Gestaltung von Mandalas und Ausmalbildern oder ganz frei nach Schnauzte, eine farbenfrohe Angelegenheit boten alle Kunstwerke. Wer nicht so gerne malt, konnte aus dem Papier auch etwas anders basteln.

Zum Abschluss des Projektes wurde sich dann beim Tanzen nochmal richtig ausgeschüttelt und jeder konnte seine coolsten Moves präsentieren. So endete für alle Teilnehmer*innen der ereignisreiche Tag mit einem schönen Gefühl.

Auch große Vögel können fliegen

mit Marion Palenschat

In den Turnhallen von Sprockhövel findet regelmäßig unser Projekt „Auch große Vögel können fliegen“ unter der Leitung von Marion Palenschat statt. Dabei lernen Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 auf eine ganz besondere Art und Weise fliegen. Sie erheben sich an den Vertikaltüchern in die Lüfte und glänzen dort mit unterschiedlichen Figuren.

Das Projekt gibt es schon seit mehreren Jahren und lockt immer wieder neue und alte Gesichter an. Manche starten als kleine Kinder und wachsen mit der Zeit zu richtigen Profis heran, sodass sie dann mehr Helfer*innen als Schüler*innen sind. Und auch wenn man meist alleine an einem Tuch arbeitet, turnen doch alle zusammen und bilden ein tolles Team.

Da ist auch der spontane Hallenwechsel aufgrund von Bauarbeiten keine große Herausforderung, obwohl es in der Ersatzhalle erstmal aufbauen heißt. Gemeinsam werden die Tücher Richtung Decke gebracht. Das ist besonders für ein Tuch gleich mit akrobatischen Talenten verbunden. Dazu sitzt ein kleines Mädchen in den Ringen und die Anderen ziehen sie bis zum Balken hoch, eine ganz schön wacklige Angelegenheit. Dafür muss man durchaus mutig sein. Aber das stellt hier schon in jungen Jahren kein Problem dar. Auch beim Aufbau werden schon die ersten Räder geschlagen und Vogelnester gebildet, da sieht man die Begeisterung bereits in den Augen der Teilnehmer*innen.

Nachdem alle Tücher sicher befestigt sind, geht es ans Aufwärmen. Mit schnellen Schritten beginnt das große Tippeln über die Koordinationsleiter, die sicherlich bei dem ein oder anderen bekannt ist. Sie wissen auch, dass der ganze Körper dabei schnell warm wird, was essenziell für einen Sport ist, bei dem der ganze Körper mitarbeiten muss. Nur noch etwas Dehnen damit auch wirklich jeder Muskel vorbereitet ist und hoch geht es. Erstmal heißt es, einfach nach oben klettern, wobei auch hier schon Kraft und Technik gefragt sind. Ist das Gefühl für die Tücher wieder da, geht es auch schon in die ersten Figuren. Eine*r macht eine vor und der Rest legt nach. Dabei gibt es für alle kurze Sitzpausen zwischen durch, denn nur eine einzige Figur bringt schon eine gewaltige Anstrengung mit sich.

Wenn es dann ins freie Turnen geht, übt jeder auf seinem Level. Die Kleinen starten in der Tuchschaukel oder etwas weiter unten und die Fortgeschrittenen verknoten sich in größeren Höhen und turnen auch mal zu zweit an einem Tuch. Das Verknoten ist hier ein relevanter Faktor, denn wer die Schritte für die einzelnen Figuren nicht richtig macht oder die Tücher nicht gut fixiert, läuft Gefahr den Halt zu verlieren. Erstmal kein Problem, da die Matten unter den Tüchern einen Sturz abfangen, aber besonders schön ist das natürlich nicht. Da alle Kinder lernen, wie sie sich sicher an den Vertikaltüchern bewegen, passiert das aber sehr selten.

Es werden natürlich viele Figuren, wie der Skorpion, die Fledermaus oder der Engel, die in den Kreisen der Vertikaltuchturner bekannt sind, gemacht. Aber auch an eigener Kreativität mangelt es den Kindern nicht. So haben sie sich die Quatschkerze ausgedacht und am Ende eine kleine Vorführung aus drei Figuren mit schönen Übergängen gezaubert. Dabei liegt die Freude nicht nur bei den Teilnehmer*innen, sondern auch bei den Zuschauer*innen, so elegant wie Mensch und Tuch zusammen arbeiten und sich durch die Luft bewegen.

#traudich – Improshow mit Kidz & Teens

mit Rada Radojcic

Das Projekt „#traudich“ findet immer montags von 18 bis 20 Uhr im Theater Fletch Bizzel statt. Alle Kinder und Jugendliche, die gerne einen Blick in die Welt des Schauspiels werfen möchten, sind herzlich eingeladen vorbei zu schauen. Dabei ist unwichtig, ob sie schon Erfahrung in diesem Bereich gesammelt haben oder totale Laien sind.

Beim Improvisationstheater steht vor allem das Miteinander im Vordergrund. Es geht darum in der Interaktion mit anderen auf diese zu reagieren und eine gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung zu entwickeln. Dabei sollen die Kinder natürlich auch selber wachsen und ihr eigenes kreatives Potential kennenlernen.

Zu Beginn des Projektes werden die Teilnehmer*innen mit den Grundregeln des Improvisationstheater vertraut gemacht und in die elementaren Fähigkeiten eingeführt. Entscheidend dabei ist vor allem keine Angst zu haben und einfach loszulegen, denn falsch gibt es hier nicht. Die Kinder sollen möglichst kreativ und spontan handeln und ganz wichtig Spaß dabei haben und sich wohlfühlen. Um etwas reinzukommen, gibt es unendlich viele Warm-up-Spiele. Bei einem laufen alle über die Bühne, die hier ein Floß darstellt, was nicht untergehen darf. Das Motto ist also: möglichst gleichmäßig verteilen und dabei nicht stehen bleiben. Dann werden Zahlen von eins bis drei in den Raum gerufen, die jeweils einer Schnelligkeitsstufe entsprechen. Dabei sollte das Gleichgewicht des Floßes natürlich weiter gehalten werden. Hier ist schon mal Konzentration auf der Bühne gefragt, wobei das Schauspiel von außen eher wie ein wildes Durcheinander aussieht.

Wenn es dann darum geht ins Improvisieren einzutauchen, bekommen die Kinder zum Beispiel zufällig zwei Begriffe, die sie dann erstmal nur pantomimisch auf der Bühne darstellen sollen. Da kann eine Kombination aus den Wörtern „Hai“ und „Silly Walk“, also lustige Gangart, zu einem eher außergewöhnlichem Bewegungsmuster führen. Der Fokus liegt hier erstmal nicht auf dem sprachlichen sondern auf dem körperlichen Ausdruck, der im Theater genauso wichtig ist. Die nächste Stufe besteht dann darin, dass Gruppen gebildet werden und diese mit den Begriffen der einzelnen Mitglieder eine ganz neue Geschichte erfinden, welche sie dann zusammen pantomimisch auf die Bühne bringen. Das ist gar nicht so leicht, wenn viele kreative Köpfe eine Menge an verschiedenen Ideen in den Raum werfen. Die müssen alle erstmal sortiert werden. Man kann nicht immer alle aufnehmen, muss aber gucken, dass jeder einen Teil beitragen kann. Die Kinder lernen dabei aufmerksam und flexibel zu agieren, so wird klar, dass andere Menschen die eigenen Ideen weiterführen können und so gemeinsame entstehen.

Zu dem Kurs gehören natürlich auch klassische Schauspielübungen, wo es gilt in eine Rolle zu schlüpfen und dieser einen Charakter zu verleihen. Doch am Ende wird kein eingeprobtes Stück vorgetragen, sondern die Kinder zeigen ihren neu gewonnenen Mut und ihre Improvisationskünste bei einer echten Improshow auf der Bühne.

FoodArt

in Dortmund-Lanstrop

Im JuKi-Treff fand am Nachmittag der letzten Montage unser Projekt „FoodArt“ in Kooperation mit dem Verein „kulturpflanzen“ statt. Immer montags von 16 Uhr bis 19 Uhr konnten sich die Kinder und Jugendlichen aus Landstrop und Umgebung zusammen mit den Künstler*innen Astrid Halfmann und Jens Schmidt kreativ austoben. Wie der Titel des Projektes vielleicht verrät, spielten dabei verschiedene Lebensmittel eine große Rolle.

Das Gelände vom JuKi-Treff besteht aus einer ehemaligen Hausmeister Wohnung mit anliegender Grünfläche. Das klingt erstmal gar nicht so aufregend, doch was es einmal war ist lange vergessen, denn heute kann man eher von einem Spaßhaus mit angeschlossenem Spielplatz sprechen. Das Gelände steckt voller Überraschungen und erstrahlt, dank der vielen kleinen Künstler*innen, die hier schon am Werk waren, in bunten Farben. Egal ob im Haus oder in den Containern im Garten, überall findet sich etwas zum Spielen. Und zusätzlich werden hier immer wieder verschiedene Aktionen angeboten.

Darunter auch unser Projekt „FoodArt“, in welchem aus Essen Kunst geschaffen wird. Für manche von Euch klingt das vielleicht etwas abstrakt, andere haben womöglich selbst auf verschiedene Art und Weise ihr Essen schon mal künstlerisch präsentiert. Doch die Kinder und Jugendlichen, die an diesem Projekt teilgenommen haben, nutzten die Lebensmittel nicht nur als Essen, sondern haben sie zu ganz anderen Dingen umfunktioniert und so unterschiedliche Kunstwerke geschaffen. Dabei wurden aus Nudeln Haare, Gemüse und Obst bekam oder wurde zu Gesichtern und die Radieschen sahen auf einmal aus wie Mäuse. Eins der Kinder hat Chips und anderes Knabberzeug zu einer Unterwasserlandschaft verarbeitet und diesem Bild den passenden Titel „Fish and Chips“ gegeben.

Die Vorstellungskräfte der Kinder sind hier definitiv in alle Richtungen gegangen. Und keine Sorge, nach dem Kreieren wurden die Lebensmittel natürlich von den Kindern zu einem echten Gericht verarbeitet und genüsslich verspeist. Auch in diesem Projekt sind Kinder verschiedener Herkünfte vertreten. Dies nutzten die Künstler*innen, um sich Inspiration aus internationaler Küche zu hohlen. Eine große Hilfe stellte dabei Olga da, die die Bedürfnisse der ukrainischen Kinder für die anderen übersetzten konnte.

Die kreative Arbeit wurde am Ende des Projektes natürlich auch gewürdigt. Der Mittwoch nach Projektende diente als Präsentationstag, wo bei strahlendem Sonnenschein Bilder der Kunstwerke auf Staffeleien im Garten zur Schau standen. Da an dem Tag ebenfalls die Enthüllung der neue Spielbox des JuKi-Treffs war, wurde das Ganze als Anlass für ein buntes Spielfest genutzt.

Viele Gäste tummelten sich auf dem Gelände und neben einigen Eltern bewunderten auch eine Jugendamtsmitarbeiterin und zwei Mitglieder der Bezirksvertretung Scharnhorst die Kunst der Kinder. Besonders groß wurde die Freude zwischen dem ganzen Bewundern und Spielen, als das Buffet eröffnet wurde. Hier wurde ein letztes Mal „FoodArt“ geschaffen, die dann aber ganz fix in den Mägen der Kinder und Jugendlichen verschwand. Ein wirklich sehr gelungener Abschluss für das Projekt.

Der JuKi-Treff ist ein offener Kinder- und Jugendtreff für 6-16-jährige Kinder und Jugendliche im Stadtteil Dortmund Lanstrop der unter der Leitung von Conny steht. Der Stadtteil kann als Brennpunkt bezeichnet werden. Vielen Flüchtlingsfamilen wohnen in den Siedlungen rund um den Treff und früher gab es immer wieder Probleme mit Vandalismus. Doch das änderte sich mit der Zeit, in der die Kinder den JuKi-Treff zu ihrem eigenen ganz besonderen Ort gemacht haben. Für viele ist er das erste Ziel nach der Schule und der Ort, an dem sie sich mit anderen Kindern austoben können. Viele andere Alternativen gibt es im Stadtteil nicht, um so schöner, dass es den JuKi-Treff gibt.

Nordstadtmärchen

mit Gülcan Boran

In der Zweigstelle des „Verbundes der sozial-kulturellen Migrantenvereine in Dortmund“ (VMDO) mitten in der Innenstadt findet unser Projekt „Nordstadtmärchen“ statt. Unsere Referentin Gülcan Boran bietet Kindern in diesem Sozialraum in den Herbstferien einen Ort, wo sie mit anderen Kunst machen, spielen und toben können. Die Ferienbetreuung geht von Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 17 Uhr.

Die Gruppe besteht aus einer bunten multikulturellen Mischung, in der auch zwei ukrainische Flüchtlingskinder ihren Platz gefunden haben. Märchenhaft ist die Situation vieler dieser Kinder jedoch leider nicht. Einige  von Ihnen haben mit jungen Jahren schon Krieg und Flucht erleben müssen, Erfahrungen, die kein Mensch in seinem Leben machen sollte. Doch Gülcan hat immer ein Lächeln für sie über und erreicht sie mit ihren Sprachkenntnissen auf ganz besondere Weise. Sie versucht den Kindern in den Ferien einen Ort der Freude und Freiheit zu schenken.

Für die Kinder ist sie eine rothaarige Hexe, die Menschen in Frösche verwandeln kann oder auch eine echte Prinzessin genau wie im Märchen. Zusammen geht sie mit den Kindern auf eine Reise durch den Körper, zaubert mit ihnen kreativ gestaltetet Gemälde und füllt Wissenslücken, wo immer es geht. Dabei können die Kinder ihrer Kreativität freien lauf lassen. Auch für diejenigen, die zu viel Energie zum Sitzen und Malen haben, gibt es genug Möglichkeiten, mit ganz verschiedenen Fahrgeschäften durch die Räumlichkeiten zu düsen. Zudem macht die Gruppe immer wieder Ausflüge zu einem nahgelegenen Spielplatz. Händchenhaltend geht es dann in Zweierreihen los und Vorort werden Kastanien gesammelt, Klettergerüste erklommen oder es wird geschaukelt. Später werden die Kastanien dann zu Kastanienfiguren zusammengesetzt.

Spielerisches Lernen wird in diesem Projekt großgeschrieben. Dabei lernen die Kinder sich untereinander sowie ihre Herkunft kennen. Sie können Masken basteln, um zu zeigen wer sie gerne wären. Und bei sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten werden Symbole und Smileys als Hilfe genutzt. Durch kleine Flyer, die mit vielen Bildern bestückt sind, wurden die Kinderrechte thematisiert, denn jedes Kind hat Rechte und sollte geachtet werden. Zusammen hat die Gruppe sogar schon ihren eigenen Regelzettel zusammengestellt. Und ab und zu reisen Sie gemeinsam ins Zauberland.

Die Kinder kommen immer wieder gerne und bringen Freunde und Bekannte mit, sodass die Teilnehmer*innenzahl oft größer wird als geplant. Es ist schön, dass das Projekt so gerne von ihnen besucht wird, doch bei so vielen Kindern sind die Kapazitäten einer Person schnell ausgeschöpft. So kann man beobachten, wie die älteren Kinder auch mal in die Rolle als Helfer*in schlüpfen. Eine so große Nachfrage zeigt die Notwendigkeit, solche Projekte zu fördern und vervielfältigen.

Besuch vom Ministerium bei der Ausstellungseröffnung in Wuppertal

Großformatige Bilder, kleine Schwarzweiß-Fotos, eine Live-Tanzperformance und Videos wurden während einer Ausstellungseröffnung am 2. Dezember 2022 der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit Bildung Kultur NRW e.V. (LAG ABK) in Wuppertal gezeigt. Die Eröffnung wurde von Stefan Jung aus dem Referat Kulturelle Bildung vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen besucht. Im Dialog mit Vertreter*innen der LAG ABK, interessierten Besucher*innen und Künstler*innen wurde über die Entstehung der Kunstwerke und den Wert der Kulturellen Jugendarbeit für Kinder und Jugendliche gesprochen. Eindrucksvoll berichteten die Künstler*innen über teilweise schwierige Bedingungen, unter denen die Kunst entstanden war. Ein Fotoprojekt in der Dortmunder Nordstadt konnte zum Beispiel nur dadurch realisiert werden, dass der Künstler Jugendliche auf der Straße ansprach, ihnen Kameras gab und einen Zeitpunkt vereinbarte, zu dem die Kameras wieder abgegeben werden sollten. Die in diesem Projekt entstandenen beeindruckenden Fotos erzählten von der Lebenswelt der Jugendlichen. Im Austausch über die Ausstellung wurde sehr deutlich, welchen Nutzen Kinder und Jugendliche von den Projekten haben und bei einer Tanzperformance zeigte sich, welches Können viele Jugendliche an den Tag legten. Besonders der Aufbau einer Beziehung zwischen den Künstler*innen und den Teilnehmenden war Grundlage dafür, dass die Kinder und Jugendlichen längerfristig in den Gruppen blieben. Stefan Jung bestätigte, dass die gezeigten Projekte der LAG ABK im Sinne des Ministeriums seien und einen großen Wert für Kinder und Jugendliche haben. Alle Besucher*innen waren beeindruckt von den Exponaten, die in dem Wuppertaler Industriegebäude gezeigt wurden und den künstlerischen und sozialen Geschichten, die hinter der Entstehung der Kunstwerke lagen.

(K)un-(ST)-bewegt

mit Simone Sonnentag

Im Schloss Strünkede in Herne nahm die Künstlerin Simone Sonnentag die Teilnehmer*innen des Projektes mit auf eine Reise durch die Geschichte der Stadt. Dabei zeigte sie ihnen verschiedene Techniken des künstlerischen Schaffens. Das Schloss ist Teil des Emschertal Museums Herne und bot so den perfekten Raum für das Projekt.

In einem Raum des Schlosses, in dem rund um vergoldetet Spiegel und sogar noch eine alte Ritterrüstung stehen, war eine lange Tafel aufgebaut. An dieser konnten die Kinder ihre Kunstwerke produzieren und den Blick auf den Burggraben und den Schlosspark genießen. Doch bevor sich die Hände schmutzig gemacht wurden, ging es auf Erkundungstour durch das Museum. Gemeinsam machte die Gruppe einen Rundgang, auf dem die Kinder Objekte mit goldenem Detail finden sollten. Jedes Kind hat sich das Ausstellungsstück, welches es am schönsten fand, gut gemerkt und dann in Farbe auf Papier gebracht. Es wurde unteranderem eine Wunderlampe, eine Taschenuhr, ein Löffel und sogar ein Karussellpferd gemalt. Dabei war die Darstellung der eigenen künstlerischen Freiheit überlassen und so entstanden die ersten bunte Meisterwerke. Der richtig spannende Teil kam mit der Vergoldung der Werke. Dazu wurden die Stellen, an denen die Objekte aus dem Museum golden waren, mit Anlegemilch bestrichen. Wer schon einmal mit Blattgold gearbeitet hat, weiß, dass das keine echte Milch ist, sondern als Kleber für das Blattgold dient. War die Milch aufgetragen, wurden die Goldblätter auf die Stellen gelegt und angepinselt. Nun mussten die Bilder erstmal trocknen, bevor das überstehende Blattgold entfernt werden konnte.

Die zweite Mission begann wieder mit einem Erkundungsgang durch die Räume des Schlosses. Thema waren die Techniken um ein Portrait zu malen. Dazu haben die Kinder die Portraits im Museum besonders genau unter die Lupe genommen und zusammen wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede gesammelt. Von Simone gab es ein paar spannende Details zu den Portraits der früheren Schlossbesitzer. Nach einem kleinen Abstecher beim Plumpsklo, was früher von sage und schreibe 800 Rittern, die im Schloss lebten genutzt wurde, ging es wieder ans malen.

Mit Holzkohlestiften haben die Teilnehmer*innen nach ein paar hilfreichen Tipps ihre ersten Portraits skizziert. Sowohl von vorne als auch von der Seite wurden die wichtigsten Linien eines Gesichtes dargestellt, dabei konnte manchmal auch ein Blick zum Nachbarn helfen, um die Strukturen in echt zu begutachten. Am Anfang steht ein Hügel für den Körper, dann folgen die Linien für den Hals und der Kopf. Dieser kann ganz verschiedene Formen annehmen, ob Dreieck oder Oval, bei unseren Mitmenschen finden wir die verschiedensten Kopfformen. Dann stellen sich Fragen wie „Lächelt mein Gesicht oder nicht?“, „Ist die Nase eher groß oder klein?“ und „Guckt es mich an oder zwinkert das Gesicht vielleicht?“. Bei den Haaren können sich die Kinder dann richtig austoben. So vielen Möglichkeiten führten zu den verschiedensten Skizzen, eine Vielfalt wie in der Realität.

Die gesammelten Erfahrungen wurden sicher abgespeichert. Weiter ging es dann mit den Vorbereitungen des finalen Portraits mit Goldrahmen. Um diesen zu realisieren, ging es daran die Leinwände mit einem Gipsrahmen zu versehen. Die getane Arbeit war hinterher nicht nur auf der Leinwand sichtbar, auch der Tisch hatte einiges an Gips abbekommen. Die Rahmen mussten erstmal trocknen, damit sie bereit für die Vergoldung waren. Diese Kunstwerke sollten also am nächsten Tag fertiggestellt werden.

Zum Ende des Projekttages wurden im Stuhlkreis schon mal die fast vollendeten Bilder mit dem Blattgold betrachtet und alle für ihre individuelle Arbeit gelobt. Ein wahres Funkelmeer lag da auf dem Boden. So war es nicht verwunderlich, dass die Kinder sich selbst gelobt haben, indem sie sich auf ihre eigene Schulter geklopft haben. Nachdem Simone ihnen noch jeweils ein Glücksstein mit auf den Weg gegeben hatte, sind die stolzen, aber auch etwas erschöpften Kinder, gegangen. Fünf Stunden kreatives Arbeiten ist ja auch wirklich eine starke Leistung.

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